Finsteres aus dem Kali-Yuga

Zum Zeitgeschehen; oder: Grisaille in Rabenschwarz

Es gibt Äußerungen von Zeitgenossen oder Medienmeldungen, bei denen sich bei manchem ein flaues Gefühl im Magen breitmacht und die Fragen „Passiert das jetzt wirklich? Ist das real?“ im Hirn aufblitzen.
Solche Meldungen, die nur im dunkelsten aller Zeitalter noch die Nacht in Schatten tauchen können, wollen wir kritischen Menschen zur Kenntnis geben; allerdings können wir den Ereignissen unmöglich die öffentliche Weihe gewähren, in unserer neutral geschriebenen Rubrik „Aktuelles“ zu erscheinen, die für kulturelle und religiöse Meldungen reserviert ist. Statt dessen finden Sie solche Ereignisse hier versammelt — an einer Stelle von gebotener Abgelegenheit —, eklektisch zusammengestellt, wie sie uns gerade unterkommen und kein vollständiges Bild zeichnen wollend. Aber vielleicht ergibt sich ein solches ja trotzdem, ganz wie bei einem Mosaik.
Die Kali-Yuga-Meldungen sind durchaus subjektiv gefärbt und gegebenenfalls kommentiert. Strafe muß halt sein, und Neutralität ist Feigheit.

REGIN-VERLAG


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Wir leben im kali yuga, dem Dunklen Zeitalter.



Do it yourself

● ZÜRICH. — Die Zürcher Polizei bestätigte am 12. Februar, die Ermittlungen in einem Fall aufgenommen zu haben, bei dem am 9. Februar 2009 „Neonazis“ die Brasilianerin Paula O. überfallen, gewaltsam malträtiert und ihr anschließend mit einem Teppichmesser (andere Version: mit Rasierklingen) am ganzen Körper die Buchstaben SVP (für Schweizer Volkspartei) in die Haut geritzt haben sollen. Angeblich war die Frau schwanger gewesen, gab sie später an, und verlor bei der auf die Tat folgenden Fehlgeburt auf einer nahegelegenen öffentlichen Toilette ihre Zwillinge. In Brasilien war der „Überfall“ sofort Titelthema in den Medien, der Vater des „Opfers“ schickte von Brasilien aus sogleich bittere Rügen für die nachlässige Zürcher Polizeiarbeit über den Teich. — Am 14. Februar schon konnte der Rechtsmediziner Walter Bär mit Sicherheit sagen, daß Paula O. sich die Schnitte selbst zugefügt hatte und daß sie keineswegs schwanger gewesen war. „Der erfahrene Rechtsmediziner“, so Bär, „wird nicht zögern, davon auszugehen, dass hier eine Selbsthandlung vorliegt.“ Die Zeitungen berichteten nur verhalten über die Aufklärung des Falles, der Ähnlichkeit mit dem des „Hakenkreuz-Ritzopfers“ Rebecca K. aus Mittweida aufweist, dem angeblich von Skinheads ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt worden war; auch K. hatte sich ihre Verletzung selbst beigebracht, wie das Amtsgericht Hainichen befand.
Der Vater der Paula O., ein Anwalt, dachte mitnichten daran, sich bei den deutschen Behörden zu entschuldigen, sondern sagte der O Estado de São Paulo: „Wie auch immer, meine Tochter ist ein Opfer. Entweder von starken psychologischen Störungen oder von einem Angriff.“ — So kann man die Sache natürlich auch unter den Teppich kehren…


Kaffeebraun

● FRANKFURT a. M./BERLIN. — Der Spruch „Jedem den Seinen“, mit dem der Tchibo-Konzern jüngst für seine Kaffeeprodukte an 700 bundesdeutschen Tankstellen warb, hat eine lange Historie. Erstmals in Platons Schrift Politeia (4,433a) vorkommend, errang das Syntagma „Jedem das Seine“ in der lateinischen Fassung suum cuique unter Friedrich II. von Preußen als preußischer Rechtsgrundsatz europaweit Bekanntheit, und war früher aus diesem Zusammenhang jedem Schulkind ein Begriff. Aber noch eine weitere Verwendung gab es, und zwar im Dritten Reich: Dies war der Aufhänger für Salomon Korn, seines Zeichens Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZJD), sich und seinen Verein medial in Szene zu setzen. „Jedem das Seine“ habe, so wußte Korn, am Lagertor des Konzentrationslagers Buchenwald gestanden, deshalb sei es eine „nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit“, mit einem Spruch zu werben, der hiermit Ähnlichkeit habe. Die Wurzel des Übels lieferte Korn bei der Gelegenheit gleich auch noch mit, sie sei nämlich in dem unzureichenden Geschichtsunterricht an deutschen Schulen zu suchen. Die Ankündigung von Tchibo, die inkriminierte Werbekampagne zurückzuziehen, wurde von Korn am 14. Januar 2009 mit Wohlwollen bedacht.
In einem Kommentar zum Thema hat Pater Lingen herausgestellt, daß die Unkenntnis eines solch zentralen historischen Ausspruches bei gleichzeitiger lautstarker Verdammung seiner öffentlichen Äußerung „nicht mehr einfach als Symptom der PISA-Katastrophe abgetan werden“ kann, sondern bereits „abgrundtiefe Probleme exorbitanten Ausmaßes in der gesamten sittlichen Struktur des Volkes selbst“ verrät. Eigentlich sollte der „durch die Medienhetze geschädigt[e]“ Tchibo-Konzern rechtliche Schritte gegen die entsprechenden Agitatoren prüfen.
Das einzig Unterstreichenswerte in Korns Auslassungen ist wohl seine berechtigte harsche Kritik am mangelhaften deutschen Geschichts-Schulunterricht. Der REGIN-VERLAG bietet eine Vielzahl von Schriften an, die dieses Manko beheben sollen. Ungewiß ist aber, ob Korn die von uns angebotenen Schriften auch für koscher hält.


Komm,_Erlöser,_Sonnensohn,_Beschützer_von_Dmitri_Spiridinowitsch_Bisti.JPG
Komm, Erlöser, Sonnensohn, Beschützer!,
Holzschnitt von Dmitri Spiridinowitsch Bitsi (1925–1990)