Rezensionen

Junges Forum Nr. 7: Baron Ungern von Sternberg – der letzte Kriegsgott

 

Nation Europa: „Ermordeter Hoffnungsträger“

 

1924 widmete Oswald Spengler dem Ba­ron Ungern von Sternberg in einem Auf­satz denkwürdige Zeilen und spekulierte darüber, wie das „Bild Asiens" aussehen könnte, wäre der Baron nicht einem An­schlag der Bolschewiken zum Opfer ge­fallen. Das war drei Jahre zuvor gewe­sen, und der „verrückte Baron“, wie ihn Freund und Feind nannten, stand bereits im Begriff, zur Legende zu werden.
Bald 100 Jahre später kennen nur noch Experten und besonders gut Informier­te den Namen Ungern-Sternbergs. Hier setzt die neueste Ausgabe des „Jungen Forums“ an, das seit drei Jahren unter der engagierten Ägide von Markus Fern­bach immer wieder exklusiven Lesestoff zu „umstrittenen“ Themen bietet.
Auch der Protagonist des jüngsten Hef­tes ist gut für Kontroversen. Einem al­ten baltischen Adelsgeschlecht entstam­mend, durchlief Roman F. Ungern von Sternberg, nicht ungewöhnlich für ei­nen hochgeborenen Sohn im zaristi­schen Rußland, die Petersburger Kadettenschule, trat ins Kosakenkorps ein und fand sich während des Bürgerkrie­ges auf der Seite der „Weißen“. In Sibiri­en und der Mongolei gelang es ihm, ein riesiges Heer zusammenzustellen, und er schickte sich für einen machtvollen Ent­lastungsangriff gegen die Bolschewiken an; diese erkannten die Gefahr und lie­ßen den charismatischen Hoffnungsträger kurzerhand ermorden.
Die Biographie des „verrückten Barons“ bietet Stoff, aus dem Abenteuerfilme ge­macht sind. Um so interessanter, daß es auch eine spirituelle Seite der Geschich­te gibt. Schon Ungern-Sternbergs Großva­ter soll sich dem Buddhismus zugewandt haben, und der polnische Reiseschrift­steller Ferdinand Ossendowski berichte­te gar, der konterrevolutionäre Reitergeneral habe den Segen tibetischer Geistli­cher besessen, weil sie in ihm ein Werk­zeug der Vorsehung erblickten.
So oder so bietet Fernbachs Themenheft über den „letzten Kriegsgott" eine Fülle anregender Gedanken, etwa aus der Fe­der des russischen „Eurasiers“ Alexan­der Dugin und des italienischen Traditio­nalisten Claudio Mutti; Originalzitate und ein Evola Text runden das Bild ab.

von Karl Richter

 

Quelle:

Nation Europa, November / Dezember 2007.

www.nation-europa.de



Deutsche Stimme: „Der letzte Kriegsgott“

 

Das Junge Forum widmet Baron Ungern von Sternberg seine neueste Ausgabe

 

»Um 1920 tauchte in Mittelasien einst Baron Ungern von Sternberg als Freischarenführer auf, dem es in kurzer Zeit gelang, eine Truppe von angeblich 150.000 Mann zusammenzubringen, die ihm persönlich unbedingt ergeben, die ausgezeichnet geschult und bewaffnet war und von ihm jedem beliebigen Ziel entgegengeführt werden konnte. Dieser Mann ist nach kurzer Zeit von den Bolschewisten ermordet worden. Wäre das gelungen, so läßt sich nicht absehen, welche Ereignisse sich heute in Asien abspielen würden und welche Gestalt die Landkarte der Welt heute schon angenommen haben könnte.« Worte, mit denen der deutsche Kulturphilosoph Oswald Spengler im Jahr 1924 einst die geschichtliche Bedeutung jener schillernden Persönlichkeit beschrieb, die heute fast schon in Vergessenheit geraten schien.
Doch mit der neuesten Ausgabe des Jungen Forums, das seit knapp drei Jahren nunmehr im Regin-Verlag erscheint, wurde »dem letzten Kriegsgott« nach langer Entsagung erstmals wieder ein kleines Denkmal gesetzt. Denn insgesamt neun Autoren nähern sich im Jungen Forum dem sagenumwobenen »Weißen Baron« an, wobei die eigentliche Biographie Sternbergs in dieser 7. Ausgabe der neuen Reihe des Periodikums eher im Hintergrund steht. Denn vielmehr widmet sich diese der Persönlichkeit und den Idealen des Barons, der ein Mann von außergewöhnlichem Ansehen und grenzenloser Kühnheit, doch zugleich von mitleidloser Grausamkeit gewesen sein muß, wie uns Julius Evola in seinem Beitrag »Der blutrünstige Baron« wissen läßt. Todesverachtung und übernatürliche Fähigkeiten seien ihm zu Lebzeiten nachgesagt worden. Doch Sternbergs Kampf gegen den Bolschewismus ist nach Julius Evola lediglich der Auftakt zu einem weiteren umfangreicheren Unterfangen gewesen: Der Kampf gegen die weltweite Subversion, von der die Menschheit seit der Französischen Revolution befallen sei. »Für Ungern von Sternberg mußte die Reaktion daher aus dem Osten erfolgen, einem Osten, der seinen eigenen spirituellen Traditionen treu geblieben war und geschlossen gegen die drohende Gefahr antrat, gemeinsam mit jenen, welche zu einer Revolte gegen die moderne Welt fähig waren«, womit Evola gleichzeitig auf seine eigene Schrift anspielt und Sternberg post mortem in seine eigene Denkschule einreiht.
Zu nennen wären auch der Beitrag von Alexander Dugin, dem Vorsitzenden der sogenannten »Internationalen Eurasischen Bewegung«, mit dem Titel »Gott des Krieges« sowie der Artikel von Claudio Mutti mit der Überschrift »Der Eurasist zu Pferd«. Beide wissen neben anderen Vorgängen zu berichten, daß einst der lebende Buddha Ungarn von Sternberg einen mit Rubinen besetzten Siegelring mit dem Sonnensymbol – dem Zeichen der arischen Eroberer – geschenkt hatte, den zuvor auch Dschingis Khan an seinem Finger getragen habe. Nach Ungerns Tod soll dieser Ring über Umwege 1936 dann in die Hände von Marschall Shukow gefallen sein, um mit dieser Geschichte dem potentiellen Leser nur einen kleinen Vorgeschmack auf diese Lektüre geben.
Rückblickend fallen die Urteile über Ungern von Sternberg sehr verschieden aus und sind freilich stark vom Standpunkt des jeweiligen Betrachters geprägt, wie Markus Fernbach, der Herausgeber des Jungen Forums, in seinem Vorwort schreibt. Denn während er von seinen Gefährten, die ihn »unser gestrenges Väterchen« nannten, als strahlender Held verehrt wurde, war er bei seinen Gegnern, den Bolschewiki, als »blutiger Baron« verschrieen.
Doch in welcher Weise läßt sich Baron Ungern von Sternberg überhaupt in die Reihe des Jungen Forums einfügen, das sich bisher mit Persönlichkeiten wie Julius Evola, Corneliu Zelea Codrenau, der Savitri Devi oder Gabriele d’Annunzio befaßt hat? Markus Fernbach beantwortet diese Frage damit, daß Ungern von Sternberg ein erster Verfechter der sogenannten »eurasischen Idee« gewesen sei. Eine Idee, die im Jungen Forum offenbar immer wieder als mutmaßlicher Lösungsansatz für gegenwärtige Probleme ins Spiel gebracht wird. Entsprechend trug die erste Ausgabe des Jungen Forums den Titel »Eurasien über alles«, in welcher der Leserschaft eine Bewegung vorgestellt wurde, »die nicht, wie die Europäische Union einen Wirtschafts- und Handelsgroßraum propagiert (…), sondern eine Bewegung, die sich einem geopolitischen Reich verpflichtet fühlt (…); ein Reich, das im Gegensatz zur Europäischen Union, nicht der Religion, sondern dem Materialismus feindlich gegenübersteht, der heute am eklatantesten durch die materialistische Weltmacht, die USA verkörpert ist«. »Als eine große Gestalt, die eine solche Brücke zwischen dem eurasischen Westen und Osten darstellt, ist Roman Ungern von Sternberg, der die Idee eines eurasischen Reiches verkörpert«, so Fernbachs wagemutiges Resümee. Entsprechend kann man schon jetzt auf die nächste Ausgabe des Jungen Forums gespannt sein, das mit dem reizvollen Titel »Jenseits von Nationalismus und Internationalismus – Die Vision Eurasien« aufwarten will. Ein Titel, der sich in das beschriebene Konzept des Regin-Verlages nahtlos einzufügt und sicherlich mit Spannung erwartet werden darf.

von Fritz Fischer

 

Quelle:

Deutsche Stimme, August 2007.

www.deutsche-stimme.de

 



Eiserne Krone: „Baron Ungern von Eurasien“

Baron Roman von Ungern-Sternberg “beabsichtigte die Gründung eines großen asiatischen Imperiums, um gegen die materialistische Kultur Europas und gegen Sowjetrußland zu kämpfen”, so René Guénon. Daher ist es nicht verwunderlich daß seine Gestalt heute mit dem kontinentalen Befreiungskampf Eurasiens gegen die westliche Zivilisation des Todes verbunden wird. Der “blutige Baron”, der als weißer Heeresführer gegen die Rote Armee in die Geschichtsbücher einging, war aber mehr als ein politischer Visionär und mehr als ein gnadenloser Kriegsherr, als buddhistischer Asket kam er in Innerasien mit den religiösen und weltlichen Führern in Kontakt (er befreite die Hauptstadt der Mongolei vorrübergehend von der sowjetischen Besatzung) und erfuhr das Geheimnis der esoterischen Regierung der Welt. Dank einer überirdischen Kraft, die in ihm alle menschlichen Impulse ausgelöscht hat, stand er jenseits von Leben und Tod, war also in einem hohen Grade initiiert. Vergleichbar nur mit dem christlichen Märtyrer Corneliu Zelea Codreanu und dem schiitischen Imam Khomeini vereinte er im Zwanzigsten Jahrhundert die esoterische und exoterische, die religiöse und politische Macht in seiner Person und galt als Inkarnation des Kriegsgottes. Er selbst sprach davon daß die buddhistischen Prophezeiungen von dem Zeitalter des Kampfes des guten gegen den bösen Geistes sich nun erfüllen wurden und identifiziert die umstürzlerische Sowjetmacht als den großen Satan, gegen den sich seine Gegenrevolution richtete. Aber es besteht kein Zweifel, daß er den anderen großen Satan, der heute unangefochten den Planeten dominiert, ebenso radikal ablehnen würde, ist dieser doch vom gleichen westlerischen materialistischen Ungeist beseelt. Und so wird es verständlich, daß es heute ausgerechnet die russischen Nationalbolschewisten sind, die ihn nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums als Leitfigur wiederentdeckt haben.


Im Verlag Pardès ist vor einem Jahr eine kleine Biographie in der Reihe “Qui suis-je?”, verfaßt von Érik Sablé, erschienen (128 S., 12 Euro). Nicolaus Robert von Ungern-Sternberg (so sein wirklicher Taufname) ist im Jahr 1895 in Graz geboren worden, sein Geburtshoroskop findet man in diesem Buch. Nach der Scheidung seiner Eltern hat seine Mutter einen anderen Baron geheiratet und ist mit ihm und ihrem Sohn nach Estland gezogen. Baron Ungern war Buddhist, wie schon sein Vater und Großvater. Sein Buddhismus wurzelt in dem Glauben an das Karma, “die immanente Gerechtigkeit, die weder Wut noch Milde kennt”. Baron Ungern verkörperte einen Buddhismus, der die Kshatriya-Natur dieser Religion wieder zur Geltung brachte (die in zentralasiatischen Formen anders als in den südasiatischen von Passivität und Ritualistik überwucherten Formen bewahrt wird). Sablé erschließt die Person und die Taten des “blutigen Baron” in seiner Biographie sachlich und mit großer Kenntnis der zentralasiatischen Traditionen, während es sonst oftmals Romane sind die den Baron zu fassen versuchen - und ihn oft genug zu einer romanhaften Figur oder gar Karikatur verkommen lassen.

Der italienische Abenteurer und Reiseschriftsteller Mario Appelius, dessen Werke in den vierziger Jahren auch in deutschen Übersetzungen erschienen sind, hat Baron Ungern eine Studie unter dem Gesichtspunkt der Erotik gewidmet. Erstmals 1940 erschienen, haben die Edizioni di Ar sie in ihrer Erotik-ReiheLe librette di controra, geleitet von Anna K. Valerio, in diesem Jahr neu aufgelegt: “La cosacca del barone von Ungern” (60 S., 10 Euro).  Die Erotik des Kriegers, dessen Leidenschaft alles Nur-Menschliche in ihm verbrannt hat, wird evoziert.

Im deutschen Sprachraum war Baron Ungern bisher vor allem durch die Erinnerungen Ferdinand von Ossendowskis (jüngst neu aufgelegt) und den Roman von Bernd Krauthoff bekannt, zu dem Julius Evola eine Besprechung verfaßt hatte. Einen weiteren der drei bekannten Texte Evolas zur Person des blutigen Baron findet man nun in deutscher Übersetzung unter dem ungewöhnlichen Titel “Der blutrünstige Baron” in der neuen Ausgabe der Zeitschrift “Junges Forum” (N.F. Nr.7, “Der letzte Kriegsgott”, 64 S., 7 Euro). Weitere erstmals ins Deutsche übersetzte Texte von Alexander Dugin und Claudio Mutti stecken die eurasische Perspektive ab, in der Baron Ungern als “Eurasist zu Pferd” erscheint. Einen großen Teil des Hefts nehmen persönliche Zeugnisse von und über den Baron ein. Alle Beiträge zusammen machen klar, daß der “weiße Baron” nicht einfach die russische oder baltische Variante eines Freikorpsführers war, der mitsamt dem Bürgerkrieg zu den geschichtlichen Akten gelegt werden sollte, sondern ein exemplarischer Kshatriya, dessen Visionen in das neue Jahrhundert weiterleuchten und dessen ganzheitliche initiatische, politisch-religiöse, völkerübergreifende Persönlichkeit auch in dem gegenwärtigen heiligen Krieg gegen den großen Satan des weltbeherrschenden Systems wiederscheint. In dem spezifischen Sinne, in dem “der lebende Buddha”  den Siegelring Dschingis Khans überreichte, war Baron Ungern gewiß “der letzte Kriegsgott”, aber in einer allgemeineren Bedeutung vielleicht erst der erste. Der erste Kriegsgott des zyklischen Finales, in dem sich der Zyklus des Niedergangs schließt und in einen neuen Aufgang mündet.

 

Von Martin A. Schwarz

Quelle: http://eisernekrone.blogspot.com 

 


Sezession: „Der verrückte Baron“



Die neue Ausgabe - Nr. 7 - der Zeitschrift Junges Forum widmet sich der Person des Barons Un­gern-Sternberg, besser: dem mythischen Reflex jenes Mannes, der in der Mongolei ein Heer aus Weißgardisten und Einheimischen aufstellte, von denen er als Khan und Wiedergeburt des Kriegs­gottes verehrt wurde. Die Beiträge befassen sich mit der Biographie Ungern-Sternbergs, seinen Vorstellungen einer totalen Gegenrevolution und der Nachwirkung seiner Ideen bis zur Popkultur einerseits, den Ideen des russischen National­bolschewismus andererseits. Im Zentrum steht allerdings der Rekurs auf „Eurasien", ein Leit­motiv von Junges Forum, weshalb schon einlei­tend Alexander Dugin zu Wort kommt, der die­sen Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit allen Ernstes als Vorboten der apokalyptischen Auseinandersetzungen deutet, die uns bevorste­hen.Quelle:

Quelle: Sezession Nr. 19 / August 2007-08-18 / S. 54

www.sezession.de