Rezension: Carlo Terracciano: "Revolte gegen die moderne Weltordnung - Die revolutionäre Aktualität im Denken Julius Evolas"

Rezensionen

 
 
„Mit Gott und Satan gegen die USA“

 

Der Autor, Carlo Terracciano, hat die Notwendigkeit erkannt, dem politisch-philosophischen Hauptwerk Julius Evolas, "Revolte gegen die moderne Welt" (ISBN 978-3935581103), Aktualität zu verleihen; Evolas Werk ist noch von der Bipolarität des kalten Krieges gekennzeichnet. Terracciano trägt der heute stattfindenden Machtergreifung der USA, der "einzigen Weltmacht", Rechnung. Seine Fragestellung lautet also: Was hat uns Evola angesichts der geopolitischen Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts zu sagen?

Terracciano ist ein Unangepaßter, weder links noch rechts. Er sagt unbequeme Dinge für beide Seiten: beispielsweise erkennt er klarsichtig, daß linke Globalisierungsgegner durchaus einer Globalisierung das Wort reden, jedoch einer solchen unter anderen Vorzeichen. Und den Rechten schreibt Terracciano ins Stammbuch, daß ein Nach-1945-Faschismus, der nostalgisch alte Zeiten beschwört und einen "Kult des Vergangenen" betreibt, dem revolutionären Geist des Faschismus widerspricht, ja eigentlich "die genaue Negation des historischen Faschismus" ist! - Beide hier exemplarisch angeführten Argumente sind zugegebenermaßen nicht ganz neu, illustrieren aber, daß der Verfasser in alle Richtungen austeilt und daß es ihm aufrichtig um zeitgemäßes Denken jenseits ausgetretener Pfade oder der Rechts-links-Kategorien geht.

Der lediglich 75 Seiten starken Streitschrift Terraccianos ist ein 63seitiger Aufsatz des Übersetzers, Martin A. Schwarz, angehängt, eines Wiener Publizisten, der besonders durch Buchrezensionen bekannt geworden ist, die sich zwar meist durch einen hohen intellektuellen Reflexionsgrad auszeichnen, in ihren Schlußfolgerungen aber manchmal jede Bodenhaftung einbüßen und mitunter freischwebend enden. Nicht so hier! Schwarz' Nachwort verortet den trotz umfangreichen Wirkens im deutschen Sprachraum zeitlebens nahezu unbekannt gebliebenen Verfasser weltanschaulich und politisch. Der furios-rasante, häufig allzu bündige Stil Terraccianos, der mitunter nicht über das bloße Andeuten hinausgeht und dadurch sehr dicht wirkt, wird von Schwarz aufgeschlüsselt und in überwiegend kluger Weise ergänzt. Dieser nutzt die Gelegenheit, gleich eine Terracciano-Auslegung mitzuliefern - zum Vorteile des Lesers, wie man anmerken muß, wiewohl natürlich diese wie auch jede andere Exegese kritisch gelesen werden sollte. So stellt ein Manko sicherlich dar, daß Schwarz zwar ausführlich auf die geopolitische Konzeption "Eurasien" eingeht, nicht jedoch - und sei es nur am Rande - auf jene konkurrierende eines "Eurosibirien". Hier hätte man eine Erwähnung erwartet, wenn auch keine zustimmende, damit nicht der Eindruck einer parteilichen Darstellung entsteht (die lediglich zweimalige namentliche Nennung etwa Guillaume Fayes in Fußnoten ist in diesem Zusammenhang doch mehr als dürftig).

Das Werk Terraccianos kann man mehrmals lesen, es hat die Vielschichtigkeit dazu. (Leider ist man wenigstens zu einer zweiten Lektüre auch durch die Fremdworthuberei des Übersetzers angehalten, die den Text stilistisch sehr technisch erscheinen läßt und ihn unzugänglicher macht, als es notwendig gewesen wäre: Warum schreibt Schwarz von "primordialer Rasse", wenn doch offenbar von einem "Urvolk" die Rede ist; immerhin ein deutscher Begriff, der es sogar als unübersetzter Terminus in viele andere Sprachen geschafft hat? Nun, dies ist nur ein Beispiel von vielen. - Dennoch: Die Arbeit des Übersetzers und vor allem sein Essay sind außerordentlich verdienstvoll.)

Will man den Inhalt des Terracciano-Werkes in einen Satz fassen, so lautete dieser wohl: Die USA sind der Weltfeind! Wenn Terracciano dem politisch nonkonformen Denker eine (geistige) Waffe in die Hand gibt, so lädt Martin A. Schwarz sie mit seinem Nachwort durch.

Der vorliegenden Schrift ist zu wünschen, daß sie breite Rezeption erfährt - nicht nur unter Evolianern.

 
Von Gero Schmitt

 Quelle: AMAZON Kundenrezensionen



Rezension:

„Die revolutionäre Aktualität des Werkes von Julius Evola im Zeitalter der Globalisierung“

 
Der Autor, Carlo Terracciano, hat die Notwendigkeit erkannt, dem politisch-philosophischen Hauptwerk Julius Evolas, "Revolte gegen die moderne Welt"

Dieses Buch zerfällt in zwei fast gleich lange Teile:
Teil I: "Revolte gegen die moderne Weltordnung"
Der kürzlich verstorbene italienische Gelehrte und Geopolitiker Carlo Terracciano hat eine Brandrede an die "europäische Nation" verfaßt. In der festen Überzeugung, daß weder altrechte Wunschvorstellungen noch linke Ideologeme den gewachsenen Völkern Europas den Weg in die Zukunft weisen können, rechnet Terracciano mit beiden ab.
Überdies, so der Autor weiter, ist der Kalte Krieg vorbei, und die Welt ist nicht mehr bi-, sondern nur noch unipolar: Die USA, die "einzige Weltmacht", sind der globale Erzfeind, auf ihn müssen wir unsere gemeinsamen Abwehranstrengungen richten.
Terracciano orientiert sich an Julius Evolas Hauptwerk "Revolte gegen die moderne Welt", überträgt die Sprengkraft der eher metaphysischen Schrift Evolas auf die (Geo-)Politik unserer Tage.
Teil 2:
Die zweite Hälfte des Buches bildet ein sehr fundierter Aufsatz von Martin A. Schwarz, einem Wiener Publizisten. Schwarz porträtiert sehr gründlich und ohne Voreingenommenheit, Besserwisserei oder Häme den Weg der italienischen Rechten - und Terraccianos Bedeutung in diesem Umfeld - nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dabei geht Schwarz sowohl auf die Denker und Schlüsselgestalten der europäischen Rechten ein - etwa den Verleger Franco Freda oder Prof. Claudio Mutti - als auch auf deren Wirken und die Themenfelder ihrer Studien und ihres publizistischen Schaffens.
Das Ergebnis ist ein einzigartiges Kaleidoskop rechten Denkens, bestechend in seiner Sachlichkeit und faszinierend nicht zuletzt deswegen, weil sich dem Leser zeigt, daß die vielverleumdete Rechte - weit davon entfernt, "ewiggestrig" zu sein - seit Jahrzehnten das Ohr am Puls der Zeit hat.

Ein wirklich empfehlenswertes Buch!

 

Autor: Henning Bahn

Quelle: www.buchtreu.de