Rezension:

Junges Forum 1: „Eurasien über alles!“

 

 

Junge Freiheit: „Ein Europa der hundert Fahnen“

 

Publizistik: Mit einem neuen Herausgeber will die Zeitschrift „Junges Forum“ an ihre Reichsidee anknüpfen

 

Im März 1964 erschien aus dem Umfeld des Hamburger Diskussionszirkels „Donnerstagsrunde“, an dem unter anderem Lothar Penz und Henning Eichberg beteiligt waren, und dem von Penz initiierten „Arbeitskreis Junges Forum“ als erstes eigenständiges Organ einer „jungen Rechten“ die Zeitschrift Junges Forum.

Das zunächst im Abzugsverfahren vorzugsweise unter Oberschülern und Studenten verbreitete Blatt in Form einer Schriftenreihe mit vierteljährlichem Erscheinen und jeweils einem Schwerpunktthema stellte sich bereits in seiner ersten Ausgabe mit einer klaren Abgrenzung von der alten Rechten und ihren ressentimentgeladenen Themen vor: „Junges Forum soll jenen volksbewußten Kräften offenstehen, die sich über neue Formen und Grundlagen Gedanken machen. Leute mit Vorurteilen, die gestrigem Erleben und Denken entspringen, sollen nicht angesprochen werden.“

Noch deutlicher wurde dieser sich als revolutionär verstehende Kurs einer „Neuen Rechten“ in den programmatischen Aufsätzen von Lothar Penz, in denen er seine Absage an die „alten weltanschaulichen Kräfte“ und ihrem „Gefühlsnationalismus“ Ausdruck verlieh. Penz rief dagegen die „jungen Kräfte“ zur „sittlichen und politischen Erneuerung unseres Volkes und Vaterlandes“ auf. Um „wieder Geborgenheit in der Gemeinschaft zu finden“, müsse ein „Dritter Weg“ als Synthese zwischen „Rationalismus“ und „Emotionalismus“ gewagt werden. Entsprechend beherrschten korporativistische und volksgemeinschaftliche Sozial- und Ordnungsvorstellungen die ersten Jahrgänge der Zeitschrift, zu der später als wichtigste Autoren Henning Eichberg und Wolfgang Strauß hinzutraten.

 

[...]

--------------------------------------------------------

Nation & Europa: „Junges Forum meldet sich zurück“

 

Nach einer produktiven Pause von vier Jahren gibt es die traditionsreiche Heftreihe „junges Forum“ jetzt wieder. Inhaltlich und gestalterisch aufgepeppt, präsentiert sich die erste Ausgabe neuer Zählung dem Lesepublikum jetzt mit dem Themenschwerpunkt „Eurasien über alles“. Die Reihe bleibt damit auch unter einem verjüngten Redaktionskollegium dem bisherigen Kanon treu und wird, wie Herausgeber Markus Fernbach betont, „weiterhin die Idee des Reiches Europa, des Europas der 100 Fahnen, der Regionen und Traditionen vertreten“.

Das ist in der vorliegenden Ausgabe Nr. 1 auf anregende Weise gelungen. Sie enthält einige Beiträge des russischen Querdenkers Alexander Dugin, das Gründungsmanifest der „Bewegung Eurasien“, Buchbesprechungen und weiteres aus dem „eurasischen“ Umfeld. Eine der zentralen Aufgaben, die sich einer originär europäischen Politik im 21. Jahrhundert stellt, ist damit umrissen, ihrer Lösung die unvermeidliche Richtung angezeigt, wenn Europa künftig mehr sein will als ein amerikanisches Protektorat.

 

Von: Karl Richter

Quelle: Nation & Europa; Nr. 7-8/2004

 

 

 

 

Sezession: „Junges Forum“

 

Über dem militanten Auftauchen der antiautoritären Bewegung, der Neuen Linken und der  Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wird leicht übersehen, daß die politische Unruhe der damaligen Jahre weitaus komplexer war, als sie in der Rückschau erscheint. In Deutschland formierte sich parallel zur „Neuen Linken“ eine „Neue Rechte“, die sich von der Nachkriegsrechten durch ihre Vorliebe für wissenschaftliche Analyse, theoretische Arbeit, den Versuch der Überwindung des Rechts-Links-Schemas und einer als „solidaristisch“ bezeichneten antikapitalistischen Grundhaltung unterschied.

Zu ihren Köpfen zählte neben Wolfgang Strauss und dem jungen Henning Eichberg der damalige Ingenieursstudent Lothar Penz, der als einen der frühesten Zirkel der „Neuen Rechten“ den Hamburger Arbeitskreis „Junges Forum“ leitete. Er gab erstmals im März 1964 die Zeitschrift Junges Forum heraus, die bis ins Jahr 2000 im Verlag Deutsch-Europäischer-Studien (DESG) hauptverantwortlich von Heinz-Dieter Hansen betreut wurde. Nun hat der junge Regin Verlag unter der Leitung von Markus Fernbach die traditionsreiche Schriftenreihe übernommen; bei durchaus veränderter programmatischer Schwerpunktsetzung, da man sich in der Selbstdarstellung als „rechts“ und „gegenrevolutionär“ verortet. Die erste Ausgabe unter Leitung der neuen Redaktion beschäftigt sich mit Alexander Dugin, der einer der entschiedensten „Anti-Westler“ unter den russischen Intellektuellen ist, und eine „Bewegung Eurasien“ propagiert, die sich an dem geistigen Erbe der altgläubigen Tradition der russisch-orthodoxen Religion, der Sozialkritik der russischen Sozialisten sowie dem Traditionalismus und der Konservativen Revolution orientieren soll.

 

Quelle:

Sezession Nr. 6, Juli 2004, S. 68.

www.sezession.de